Weiterentwicklung der ökonomischen Risikotragfähigkeit

Das Projekt hatte die Weiterentwicklung der ökonomischen Risikotragfähigkeit der Säule 2 zum Ziel und umfasste die maßgeblichen Risikoarten wie Kreditrisiko, Marktrisiko und operationelles Risiko. Ein Schwerpunkt des Projekts war dabei die Einführung des Modellrisikos als zusätzliches Risiko. Als Modellrisiko wird die Unsicherheit in der Ermittlung des Value-at-Risk verstanden. Es handelt sich dabei um die Angabe von Intervallen, da das reale Risiko naturgemäß unbekannt ist. Die Steuerung des Modellrisikos wird von einem eigens dafür eingerichteten Gremium übernommen.

Zunächst stellt sich grundsätzlich die Frage, wie groß die Modellunsicherheit ist, die einer Kennzahl wie dem Value-at-Risk innewohnt. Die Modellrisiken entstehen aus Verteilungsannahmen zu den Risikofaktoren, aus der Bewertung der Assets, aus der Kalibrierung des Modells bzw. der Schätzung von Modellparametern, sowie weiterer Annahmen und Vereinfachungen. Beim Marktrisiko kommen typischerweise noch Faktoren wie Skalierung der Haltedauer und des Konfidenzniveaus hinzu, mit denen das Value-at-Risk aus der operativen Steuerung versehen wird.

Unsere Aufgabe im Projekt umfasste dabei die Erarbeitung von geeigneten Methoden zur Quantifizierung des Modellrisikos für das Marktrisiko sowie die Durchführung entsprechender Rechnungen. Die Grundlage bildete dafür eine sog. Score-Card. In dieser werden die Attribute des Risikomodells aufgeführt und strukturiert, die mit einem Modellrisiko behaftet sind. Allen Attributen wurde in einem ersten Schritt anhand einer Expertenschätzung ein Score zugewiesen, welcher die Relevanz des jeweiligen Attributs für das Modellrisiko wiederspiegeln soll. In einem zweiten Schritt wurde für die Attribute mit den höchsten Scores eine Quantifizierung des Modellrisikos vorgenommen. Sofern das Modellrisiko eines solchen Attributs oberhalb einer gewissen Toleranzschwelle liegt, ist im Gremium zum Modellrisiko über geeignete Maßnahmen (z.B. Unterlegung mit Eigenkapital) zu entscheiden. Als Beispiel eines dieser Attribute sei die Wahl des Gewichtungsfaktors genannt, mit dem aus der Zeitreihe der Risikofaktoren die Kovarianzmatrix geschätzt wird.